DHA, Bd. 4, S.         
 
  
   D3In die Nase steigt ein Prickeln so süß,
  Man kann sich vor Wonne nicht lassen!
15 Es trieb mich hinaus in die dämmrende Nacht,
  In die wiederhallenden Gassen.
   
  HDie steinernen Häuser schauten mich an,
  Als wollten sie mir berichten
  Legenden aus altverschollener Zeit,
20 Der heilgen Stadt Cöllen Geschichten.
   
  Ja hier hat einst die Clerisey
  Ihr frommes Wesen getrieben,
  Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
  Die Ulrich von Hutten beschrieben.
   
25 Der Cancan des Mittelalters ward hier
  Getanzt von Nonnen und Mönchen;
  Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Cölln,
  Die giftgen Denunziaziönchen.
   
  D3Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
30 Bücher und Menschen verschlungen;
  Die Glocken wurden geläutet dabey
  Und Kyrie Eleison gesungen.
   
  Dummheit und Boßheit buhlten hier
  Gleich Hunden auf freyer Gasse;
35 Die Enkelbrut erkennt man noch heut
  An ihrem Glaubenshasse. –
   
  HDoch siehe! dort im Mondenschein
  Den kolossalen Gesellen!
  Er ragt verteufelt schwarz empor,
40 Das ist der Dom von Cöllen.
   
  Er sollte des Geistes Bastille seyn,
  Und die listigen Römlinge dachten:
  In diesem Riesenkerker wird
  Die deutsche Vernunft verschmachten!
 DHA, Bd. 4, S.