| Hochgeehrtester u viel theuerster Zeitgenosse! | ||
| Anbey schicke ich Ihnen das F r e m d e n b l a t t u den H u m o r i s t e n , in | ||
| welchen auch der erste Angriff gegen mich wiederabgedruckt ist, so daß Sie | ||
| 35 | sämmtliche Hauptakta in Händen haben u selbst beurtheilen können wie | |
| September 1855 — HSA Bd. 23, S. 455 | ||
| genau ich Ihnen referirt. Ich fühle wohl, daß Sie solcher Sicherheit bedürfen | ||
| um den Brief schreiben zu können, den ich wahrlich nicht für deutsche Klatsch- | ||
| blätter (ich schwör es Ihnen zu) gebrauchen werde, aber dritten Personen | ||
| gegenüber (z. B. der unglückseligen G Sand) sehr bedarf um zu erweisen | ||
| 5 | wie wenig meine Angaben aus der Luft gegriffen. Sie würden es nach meinem | |
| Tode bereuen, aus Wanzenfurcht abgehalten worden zu seyn mir einen Liebes- | ||
| dienst zu erweisen dessen ich bedurfte um mir vielleicht das Geschmeiß selber | ||
| vom Halse zu halten. | ||
| Ueberwinden Sie den Ekel, der gemeinsam guten Sache wegen. Ich müßte | ||
| 10 | Sie sonst für einen Egoisten halten. – Ich glaube mit Ihrem Brief im Sacke, | |
| den ich wie gesagt nur intimen u sichern Freunden zeige, auch meinem | ||
| Bruder wenn er herkömt (ich lasse ihn aber nicht von ihm kopiren) – hat die | ||
| ganze Sache ein Ende. | ||
| Vergessen Sie nicht, mir mit dem Brief, den ich sobald als möglich erwarte, | ||
| 15 | die zwey Zeitungsfragmente zurück zuschicken. | |
| Anbey schicke ich Ihnen meine Allemagne (die Sie als temoignage affec- | ||
| tueux de mon amitie behalten können.) Inderthat, in der Vorrede nenne ich | ||
| Sie meinen Freund, und muß nun sehen ob ich oder der Wanzerich Dessauer | ||
| dazu berechtigt ist. An einem andern Orte sprach ich weitläuftiger von | ||
| 20 | Ihnen – doch ich kann nicht mehr sehen | |
Ihr | ||
Heinrich Heine. | ||