DHA, Bd. 1/1, S.         




   D1Tragödien,
  
  nebst einem
  
  lyrischen Intermezzo,
  
  von

H. Heine.

1823
  
  JD1D1Das Lied vom blöden Ritter.
  
  Es war mahl ein Ritter trübseelig und stumm,
  Mit hohlen schneeweißen Wangen;
  Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,
  In dumpfen Träumen befangen.
5 Er war so hölzern und täppisch und links,
  Die Blümlein und Mägdlein die kicherten rings,
  Wenn er stolpernd vorbeygegangen.
  
  Oft saß er im finstersten Winkel zu Haus:
  Er hatt' sich vor Menschen verkrochen.
10 Da streckte er sehnend die Arme aus,
  Doch hat er kein Wörtlein gesprochen.
  Kam aber die Mitternachtsstunde heran,
  Ein seltsames Singen und Klingen begann, --
  An die Thüre da hört er es pochen.
 DHA, Bd. 1/1, S.